Kurzbiografie

 

  • seit 2011 Tätowiererin im Tempel München, vielfach mit nationalen und internationalen Preisen ausgezeichnet


  • 2021 Umzug nach Freising

 

  • 2017-2018 Malerei-Tutorin an der LMU München in Zusammenarbeit mit Günter Stöber  


  • 2016 Wandmalerei einer Kapelle in Diemating

 

  • 2013 2. Platz im TätowierMagazin-Nachwuchs-Contest  


  • 2012 Malerei-Tutorin an der LMU München in Zusammenarbeit mit Peter Becker   


  • 2008-2010 Auftragszeichnerin für das Tattoostudio "Tempel" in München, verbunden mit der Möglichkeit das Tätowieren zu erlernen

 

  • 2007-2012 Studium der Kunstpädagogik an der LMU München, als Hauptfach im Lehramtsstudium für Grundschulen: Abschluss Staatsexamen 


  • 2007 Umzug nach München  


  • 2005-2007 Leistungskurs im Fach Kunst mit anschließendem Abitur am Gymnasium Dorfen


  • 2005 dreimonatiger Schüleraustausch, Deutsche Schule in Cuenca Ecuador


  • 2004 erste Auftragsmalerei über zwei Garagentore und eine Tür 


  • 1988 in Landshut geboren und im Umland aufgewachsen 




Wie ich die wurde, die ich heute bin...

Dorflangeweile, ein heimliches Tattoo im Schüleraustausch, ein Grundschullehramtsstudium, der Tempel und eine gehörige Portion Glück, die richtigen Leute zur richtigen Zeit kennengelernt zu habe.

Aber der Reihe nach.....
Aufgewachsen bin ich in einem verschlafenen, kleinen Dorf mit 100 Einwohnern zwischen Landshut, Dorfen und Erding: mitten im Nirgendwo. Zur Schule brauchte ich gute 45 Minuten mit dem Bus - einmal Umsteigen versteht sich. Die wichtigsten sozialen Ereignisse waren das Dorffest sowie der allsonntägliche Ratsch nach der Kirche. 9 Jahre lang war ich brave Ministrantin in der ortlichen Kirche.
Meine Freizeit verbrachte ich hauptsächlich damit zu malen, zu basteln, zu zeichnen, was meine Eltern immer sehr unterstützten. Welch ein Glück kann man haben: in unserem Dorf gab es als einzige Einkaufsmöglichkeit neben einem Kaugummiautomaten nur ein Bastelgeschäft. Ich meine: wie genial ist das denn bitte? Wenn mir Material ausging, konnte ich "zur Doris" und mir dort Nachschub holen - sogar manchmal noch Samstag Abend um 8, wenns ganz dringend war, um das Wochenede zu überstehen.
Wenn ich gerade nicht kreativ unterwegs war, war das Internet mein Tor zur Welt. 
Weil mein Papa sich gut mit Computern auskannte, hatte ich bereits mit 13 Jahren Zugang zum Internet - schrieb dort mit meinem Brieffreund aus San Francisco, nahm an unzähligen Gewinnspielen Teil, chattete ab und an mit Freunden (aber das war zu teuer! wurde ja schließlich nach Minuten abgerechnet), und suchte gezielt nach Malwettbewerben, um an diesen, meist recht erfolgreich, teilzunehmen.

In der Schule war ich eine Streberin, immer auf gute Noten bedacht. Mathe und Physik liebte ich, aber am besten war natürlich der Kunstunterricht mit immer frischen Themen, die zu bearbeiten waren. Wenn jedoch ein Lehrer uns ein Thema gab, konnte er sich sicher sein, dass ich mein Blatt heimlich mit nach Hause nahm, um es dort gleich bis zur nächsten Stunde fertig zu machen. Sowas lieben Kunstlehrer ja! Konzipierst eine Sequenz über 4 Stunden und nach der ersten kommt schon die Frage "Was soll ich denn jetzt machen?"
Mein Kunstlehrer der 7. und 8. Klasse, Peter Kummer, kannte mich schon und hatte immer bereits eine modifizierte, schwierigere Aufgabe für mich parat oder vermittelte mir seine eigene Faszination für neuere Kunstgeschichte aus diversen Büchern. So kam ich nach und nach mit den "Wegbereitern der Moderne", Abstraktion und konzeptueller Kunst in Kontakt. Vieles davon verstand ich nicht, jedoch begeisterte mich seine Begeisterung für diese Art von Kunst. 

 

In meinem Dorf erhielt ich dann von unserem Nachbarn im Alter von gerade mal 16 Jahren bereits den Auftrag, zwei neue Garagentore und eine Dachbodentür zu bemalen. Diese existieren auch im Jahr 2022, 18 Jahre später, noch unverändert. 100 Euro erhielt ich für meine Arbeit. Unfassbar viel Geld für mich zu der Zeit. Viel wichtiger war jedoch, dass mich diese Wertschätzung und das Vertrauen in meine Fähigkeiten mich wieder ein gutes Stück voran brachten. 

2005, mit 16/17 Jahren, bot sich mir die Gelengeheit mein Spanisch, das ich als Wahlfach seit einem Jahr belegte, auszubauen und einen Schüleraustausch nach Ecuador zu machen. Wow! Unterstützt von meinen Eltern kam ich so das erste Mal so richtig raus: Neue Kultur, eine Stadt und vor allem eine Kunstbegeisterte Austauschmutter, die sich freute, mit mir sämtliche Museen und Ausstellungen der Stadt zu besuchen. Sie kannte Künstler, deren Atelier wir zusammen besuchten und deren Stile ich sogleich zu immitieren versuchte um zu üben.
Heimlich ließ ich mir dort eine kleine Fee tätowieren. Komplett ahnungslos lief ich zusammen mit einer Freundin in ein Tattoostudio zu ihrem Tätowierer und ließ mich, ohne den Prozess des Tätowierens genauer zu kennen, einfach dort stechen. Das Tätowieren selbst war für mich damals keine große Sache, das Tattoo zu haben umso mehr: "Ich bin ich, mein Körper gehört mir" und das konnte mir niemand mehr nehmen.
 

Wieder zurück in Deutschland startete mit der K12 mein Kunst Leistungskurs bei Anton Empel. Fünf Unterrichtss tunden Kunst die Woche und Zeichenhausaufgaben waren für mich absolut genial. 
Während meiner Abiturvorbereitungen, vor allem für den Physik LK, bereitete ich mich auch auf die Aufnahmeprüfung am Institut für Kunstpädagogik der LMU vor. Ich hatte mich nämlich entschieden, ein Grundschullehramtsstudium mit Hauptfach Kunst anzufangen.
Um dort aufgenommen zu werden, musste man eine Mappe mit eigenen künstlerischen Arbeiten abgeben. Bereits bei den Mappenbesprechungen lernte ich meinen späteren Dozenten, Peter Becker aka VJ Autopilot kennen. Seine Art zu lehren aber auch zu denken hat mich nachhaltig beeindruckt. Er versuchte immer die Dinge möglichst wertfrei und objektiv zu sehen und betonte stets die Dinge, die ihm besonders gut gefielen. Seine Malkurse später im Studium mit seinen Inputs zum Sprayen und zum Zufall in der Malerei bilden die Grundlage meiner Arbeit. 

Als ich noch ganz am Anfang des Studiums stand und aus heutigem Blickwinkel noch sehr kindlich malte, lernte ich den Galeristen Stephan Stumpf kennen, der gerade seine Galerie in der Au eröffnet hatte und über Themenausstellungen verschiedene Künstler gemeinsam ausstellen wollte. Auch ich bewarb mich und konnte zwei mal an einer Themenausstellung teilnehmen. Es war für mich ein wahnsinns Gefühl, in einer Münchner Galerie mit einem Bild vertreten zu sein. (Mehr dazu unter Ausstellungen)
 

Etwa zur gleichen Zeit lernte ich Thomas und Stephan vom Piercingstudio "Tempel" (es gab dort zu der Zeit noch keine Tätowierer) am Rosenheimer Platz kennen. Und weil ich fürs Studium noch zwei Wochen Betriebspraktikum benötigte - den Rest hatte ich bereits in einer Druckerei für Printrequisiten absolviert und dort meine Photoshop und Corel Draw Kenntnisse ausgebaut - fing ich in den Semesterferien dort an zu arbeiten. Was soll ich sagen: seit dem bin ich nie wieder gegangen :-D
Während ich am Anfang noch am Tresen Kunden beriet und Visitenkarten etc. entwarf, zeichnete ich später dann Tattooentwürfe für die Kunden der ersten Gasttätowierer und später vor allem für Jimi. Stephan war ziemlich schnell davon überzeugt, dass ich selber auch tätowieren sollte. Nachdem ich aber nach wie vor Lehrerin werden wollte und einen wahnsinnigen Respekt vor der Verantwortung eines Tätowierers hatte, brauchte er über 2 Jahre, um mich zu überzeugen, doch selber die Nadel in die Hand zu nehmen und Tätowiererin zu werden. (Nur gut, dass er so hartnäckig war!) Seit dem Abschluss meines 1. Staatsexamens 2012 arbeite ich vollzeit als Tätowiererin im Tempel - dazu mehr unter Tätowierungen

Richtig intensiv gemalt habe ich auch bei einer Studien-Exkursion am Gardasee, auf der ich eine meiner allerbesten Freundinnen, Andrea, kennenlernte. Zusammen mit ca 10 weiteren Studierenden und unserem Dozenten, Günter Stöber, fuhren wir nach Gaino aufs Grundstück des münchner Künstlers, Eckard Zylla, um eine Woche lang unter Olivenbäumen zu malen. Dort entstand ein Großteil der kleinformatigeren Leinwände aus der "Hände"-Serie. Die Hand fing mich im Jahr 2010 besonders an zu interessieren, als ich wegen einer Handgelenksentzündung durch Überlastung drei Monate lang gezwungen war, nicht mit der rechten Hand zu malen oder zu zeichnen. Hierbei bin ich besonders Professor Kehr sehr dankbar, der mich in einem verzweifelten Moment, nach einem frustrierenden Arztbesuch, auffing und mich ermutigte, mit der linken Hand freier, weniger gegenständlich zu malen, anstatt traurig darauf zu warten, die Rechte wieder benutzen zu können. 
Zum Glück hat sich - anders als vom Orthopäden prophezeit - meine Hand mithilfe von Ostheopathie und Training wieder vollständig erholt!

Während des ganzen Studiums und noch etliche Jahre darüber hinaus, lebte ich in einer Einzimmerwohnung, die meine Mama immer liebevoll "Atelier mit Schlafgelegenheit" nannte. Ganz unrecht hatte sie damit auch nicht. Wenn ich an großen Leinwänden arbeitete, musste der Zeichentisch und der kleine Esstisch weichen, um genügend Platz zu haben und auch der Lötbrenner zur Schmuckherstellung aus Messing kam dort des Öfteren zum Einsatz. 
Erst Jahre später zog ich in eine größere Wohnung mit einem eigenen Atelierraum, der auch jetzt, in unserem Haus ein absolutes MUSS war.

Sehr viel kreativen Input lieferten mir die Malaktionen "ARTE SUBITO" mit Peter Becker. Dabei wurden von unserem Künstlerteam innerhalb kürzester Zeit, entweder als Show, meist aber als Mitmachaktion, Leinwände bemalt. Dieser gemeinschaftliche kreative Prozess, das Chaos, das zum Ganzen wird, haben mir sehr geholfen, mich in meiner eigenen Malerei weiterzuentwickeln.

Zum Ende meines Studiums hatte ich schließlich die Möglichkeit, im Zusammenhang mit Peter Beckers Seminar "Gegenwartskunst", ein Malerei-Tutorium zu leiten. Ziel dessen war es, den Studierenden verschiedene Techniken und Übungen zu zeigen, um freier zu malen und ihren eigenen künstlerischen Weg zu finden.

Nach der Uni folgte eine sehr intensive Tattoozeit, in der ich mich immer mehr ins Florale entwickelte. 
Hier kommt noch mehr Info:

  • viele Tattooconventions und Reisen
  • zurück an Uni Tutorium bei Günter Stöber
  • Familie, Umzug nach Freising



Im Jahr 2016 hatte ich die Möglichkeit, eine kleine, neu gebaute Hofkapelle nahe des Dorfes, in dem ich aufgewachsen bin, zu gestalten. Gewünscht waren zunächst nur zwei Heiligenbilder von Florian und Sebastian, da deren Figuren vor langer Zeit aus der alten Kapelle gestohlen worden waren. Da mir aber auffiel, dass selbst bei den Schnitzereien keine Frau vertreten sein würde, entschied ich mich ein Gesamtkonzept für den Innenraum zu entwerfen. Die Familie vertraute mir und ich konnte richtig loslegen. Es sollte figürlich gearbeitet werden, aber weiter hatte ich keine Grenzen. Als ich am ersten Maltag jedoch Abdrücke mit Luftpolsterfolie an die Wand machte, sah ich im Blick des Hofherrn zumindest leichte Bedenken, ob das richtig war. Acht Maltage später, war der Innenraum fertig bemalt und jeder Zweifel vergessen. Wenn ihr neugierig auf den Prozess seid, könnt ihr mein mini Maltagebuch auf Instagram dazu ansehen (Tag 1, Tag 2, Tag 3, Tag 4, Tag 5, Tag 6, Tag 7, Tag 8, Video 1/3, Video 2/3, Video 3/3, Kapelle mit Schnitzereien). Das Ergebnis wurde etwas später auch vom br in Format "Bayern erleben" (ca ab Minute 14:50) gezeigt. 

Privat - ich kann es selber kaum glauben - bin ich mittlerweile verheiratet, Mutter und bin mit meiner Familie "weiter raus", nach Freising gezogen. Dort haben wir ein kleines Haus, mitten in der Stadt (ja, ich bin ein Stadtmensch) in dem wir als WG mit zwei weiteren Untermietern wohnen. 
Gerne würde ich von allem mehr machen - mehr malen, mehr tätowieren, mehr Ausflüge mit den Kindern machen, mehr Zeit zu zweit mit meinem Mann verbringen, mehr Ausstellungen besuchen und machen, mehr reisen... Dieses Gefühl nie genug Zeit und Energie für alle Ideen und Pläne zu haben begleitet mich ständig. Auch wenn ich nicht Tausend Dinge gleichzeitig tun kann, bin ich gespannt, was die nächsten Jahre für mich, meine Familie und meine künstlerische Entwicklung so bringen werden.